Die Euregio Bodensee: Wirtschaft, Kultur und Nachhaltigkeit

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Die Euregio Bodensee zählt zu den dynamischsten Wirtschaftsräumen Europas. Hier koexistieren etablierte mittelständische Traditionsunternehmen mit global agierenden Konzernen und einer wachsenden Zahl innovativer High-Tech-Firmen. Besonders die grenzüberschreitenden Netzwerke in den vier Anrainerstaaten – Deutschland, Österreich, die Schweiz und das Fürstentum Liechtenstein – erweisen sich als entscheidender Erfolgsfaktor im internationalen Wettbewerb. Diese Kooperationen fördern nicht nur den Wissensaustausch und Innovationen in Bereichen wie Biotechnologie, erneuerbare Energien und Digitalisierung, sondern stärken auch die Resilienz der Region gegenüber globalen Herausforderungen. Dennoch birgt die fortschreitende Globalisierung ambivalente Effekte: Während sie neue Märkte erschliesst und Wachstumspotenziale schafft, kann sie für die arbeitende Bevölkerung zu erhöhtem Wettbewerbsdruck, Prekarisierung und regionalen Ungleichgewichten führen. Initiativen wie das Bodensee-Projekt fördern daher nachhaltige Entwicklungen, die soziale und ökologische Aspekte berücksichtigen, um eine ausgewogene Prosperität zu gewährleisten.
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Die Bodensee- und Unterseeregion ist eines der malerischsten Feriengebiete Europas und lädt zu unvergesslichen Erlebnissen ein. Der See, der sich gemächlich vom Rhein zu den ausgedehnten Wasserflächen des Gnadensees, Zeller Sees und Untersees weitet, verkörpert eine harmonische Symbiose aus Natur und Kultur. Als alte Kulturlandschaft, die nahtlos die Grenzen zwischen Deutschland, der Schweiz und Österreich durchquert, bietet die Region eine faszinierende Vielfalt: Jeder Landesteil entfaltet einzigartige Reize – von den idyllischen Weinbergen des deutschen Ufers über die charmanten Schweizer Dörfer bis hin zu den alpinen Ausblicken österreichischer Seite. Besonders der Thurgau im Schweizer Teil überzeugt mit einer reichen kulturellen Palette: Historische Schlösser wie das Schloss Arenenberg, kulturhistorisch bedeutsame Klöster wie das Kloster Münsterlingen sowie verwinkelte Ortschaften und originelle Museen, etwa das Textilmuseum in Arbon, laden zu Entdeckungen ein. Die Region eignet sich hervorragend für aktive Erkundungen, insbesondere ausgedehnte Velotouren entlang sanfter Hügel, atemberaubender Aussichtspunkte, breiter Flusstäler und beeindruckender 70 Uferkilometer am Bodensee und Rhein. Diese Routen verbinden nicht nur landschaftliche Highlights, sondern fördern auch den grenzüberschreitenden Austausch und die nachhaltige Mobilität.

Ein innovatives digitales Angebot von Tourismus Untersee erleichtert die Planung solcher Abenteuer erheblich. Das Portal "Erlebnistouren am Untersee" ermöglicht es Gästen, Wander- und Radtouren bequem vom Computer aus zu gestalten – inklusive detaillierter Routenbeschreibungen, Höhenprofilen und Sehenswürdigkeiten. Die zugehörigen GPS-Daten stehen zum einfachen Download bereit, was eine nahtlose Integration in Navigationsgeräte oder Fitness-Tracker erlaubt. Das Projekt wurde mit Unterstützung von PLENUM Westlicher Bodensee realisiert und adressiert den Bedarf moderner Reisender, der ihre Aktivitäten zu tracken, Daten auszuwerten und in personalisierten Statistiken festzuhalten wünschen. In Zukunft könnte das Angebot um erweiterte Features wie virtuelle 360-Grad-Touren oder KI-gestützte Routenempfehlungen ergänzt werden, um auch stationäre Nutzer zu begeistern und den CO₂-Fußabdruck weiter zu minimieren.

Ein unvergessliches Highlight stellt eine Schifffahrt auf dem Bodensee dar. Zahlreiche Reedereien, darunter die Bodenseeschifffahrt und die Schweizerische Schifffahrtsgesellschaft, bedienen ein dichtes Netz von Linienrouten von Bregenz bis Schaffhausen. Diese Fahrten bieten nicht nur atemberaubende Panoramen, sondern auch die Möglichkeit, Fahrräder mitzunehmen – ideal für Kombinationen aus Wasser- und Landtouren. Moderne Schiffe sind barrierefrei ausgestattet und integrieren nachhaltige Elemente wie Hybridantriebe, um den ökologischen Fußabdruck zu reduzieren.

Die Freizeitschifffahrt unterstreicht den Reiz der Region, birgt jedoch auch Umweltbelastungen, die eine bewusste Auseinandersetzung erfordern. Mit rund 60.591 registrierten Booten (Stand 2023) weist der Bodensee eine Dichte von etwa 112 Booten pro Quadratkilometer auf – ein Wert, der deutlich über empfohlenen Grenzen liegt und zu intensiver Nutzung führt. Info

Der Frühling signalisiert den Start der Saison oft durch erste Treibgut-Sichtungen, die auf unachtsames Verhalten hinweisen. Schad- und Fremdstoffe gelangen durch verschiedene Wege in den See: Motoremissionen wie Kohlenwasserstoffe, polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), Stickoxide (NOx) und Feinstaub aus Verbrennungsmotoren; Leckagen bei der Betankung; Schadstoffe aus Antifouling-Anstrichen (z. B. Kupfer, Biozide und früher TBT); Reinigungsmittel; Müll wie Flaschen, Zigarettenfilter und Mikroplastik aus Seilen oder Schwimmkörpern; sowie Abwasser und Fäkalien aus Schwarzwasser (fäkal belastet) und Grauwasser (z. B. Küchenabflüsse). Info

Besonders die 26.838 Motorboote mit Verbrennungsmotoren tragen zu diesen Emissionen bei, wobei 2.271 Elektroboote eine positive Alternative darstellen. Historisch sanken die Kohlenwasserstoff-Einträge seit Regulierungen 1993/1996 um etwa 58 %, doch lokale Akkumulationen in Sedimenten (z. B. bis zu 300 mg/kg Alkanen) persistieren.

Weitere Quellen umfassen Tourismus und Freizeitaktivitäten: Müll an Ufern durch Badebetriebe und Campingplätze, Pathogene und UV-Blocker aus Sonnencreme, sowie mechanische Störungen durch Wellen oder Trampeln, die sensible Schilfzonen schädigen.

Die Internationale Gewässerschutzkommission für den Bodensee (IGKB) betont, dass der Grossteil der Belastungen aus der Freizeitschifffahrt stammt, ergänzt durch landbasierte Einträge wie Abwässer aus Siedlungen oder Landwirtschaft.

Massnahmen wie biozidfreie Anstriche, der Ausbau von Elektroantrieben und strengere Monitoring-Programme (z. B. für Badegewässerqualität) zielen auf eine Reduktion ab, doch eine höhere Sensibilisierung der Nutzer bleibt essenziell.


Die Region lebt von ihrer lebendigen Festkultur, die Besucher aus aller Welt anzieht. Besonders das gemeinsame Seenachtsfest in Konstanz (Deutschland) und Kreuzlingen (Schweiz) – ein jährliches Highlight mit Feuerwerk, Musik und Partystimmung am Seeufer – vereint Tausende zu einem grenzüberschreitenden Spektakel. Es feiert die Einheit der Region und bietet ein unbeschreibliches Flair. Dennoch wirft das Event, wie viele Massenveranstaltungen, Herausforderungen auf: Am Folgetag schwimmt oft Treibgut wie Plastikmüll, Flaschen und Essensreste den Seerhein hinab, verursacht durch unachtsames Verhalten der Menge.

Obwohl spezifische Studien zum Seenachtsfest rar sind, zeigen allgemeine Analysen zu Touristenfesten, dass bis zu 80 % des Mülls aus landbasierten Quellen stammt – ergänzt durch Schifffahrt und spontane Einwürfe.

Organisatoren reagieren mit verstärkten Aufräumaktionen, Mülltrennsystemen und Kampagnen wie "Litter-Free Events", um den See zu schützen. Solche Initiativen unterstreichen das Engagement der Region für Nachhaltigkeit und laden Besucher ein, verantwortungsvoll teilzunehmen.


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Die Bodensee-Daten:

• Grösse: 536 km²
- Obersee 473 km²
- Untersee 63 km²
• Alter: ca. 16 000 Jahre
• Fläche: 540 km2
• Wassertiefe: ca. 254 m
• Mittlere Wassertiefe: 90 m
• Mittlere Wasserdurchführung (Jahr): ca. 370 m³/s
• Uferlänge: 273 km
• Längste Stelle: 63 km
• Breiteste Stelle: 14 km
• Meereshöhe: 395 m ü. NN
• Rauminhalt: 48,5 km3
• Mittlere Temperatur: 8,6 °C
• Niederschlag: 420 Mio. m³ pro Jahr (300 Mio. m³ verdunsten)
• Zuflüsse: 236 Bäche und Flüsse (Hauptzufluss Rhein)
• Westlichster Punkt: Stein am Rhein, 8° 51'16'' östliche Länge
• Östlichster Punkt: bei Bregenz, 9° 44'59'' östliche Länge
• Nördlichster Punkt: bei Ludwigshafen, 47° 49'4'' nördliche Breite
• Südlichster Punkt: bei Rorschach, 47° 28'42'' nördliche Breite
• Bevölkerung: ca. 1,3 Mio. Menschen leben im Bodenseeraum
(Dichte: 275 Einwohner/km²)

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