Stellen Sie sich vor: Sie schlendern durch einen uralten Park, umgeben von schattigen Bäumen und dem sanften Rauschen des Bodensees. Plötzlich enthüllt sich vor Ihnen ein prächtiges Schloss, das wie aus einem Historienroman entsprungen scheint – versteckt hinter mächtigen Laubbäumen, mit Blick direkt auf die idyllische Insel Reichenau. Willkommen bei Schloss Arenenberg, einem der romantischsten Schätze der Euregio Bodensee. Hier, wo die Wellen des Untersees gegen die Ufer plätschern, finden Sie nicht nur atemberaubende Ausblicke, sondern auch eine faszinierende Geschichte, die von römischen Spuren über mittelalterliche Patrizier bis hin zu napoleonischen Intrigen reicht. Ob Sie ein Geschichtsenthusiast sind oder einfach nur den perfekten Spot für ein Picknick mit Panorama suchen: Arenenberg verzaubert und überrascht auf Schritt und Tritt.

Die Wurzeln: Von Römern und Rittern zum "Narrenberg".
Die Geschichte dieses Ortes flüstert von vergangenen Epochen, die weit zurückreichen. Archäologische Funde deuten auf eine frühe Besiedlung hin – sogar römische Spuren, die von den Legionären künden, die einst durch diese fruchtbaren Lande zogen. Doch das eigentliche Schloss entstand erst Anfang des 16. Jahrhunderts, als der einflussreiche Konstanzer Bürgermeister Sebastian Geissberg es auf den Überresten eines einfachen Bauernhofs errichtete, der als "Narrenberg" bekannt war – ein Name, der heute mit einem Augenzwinkern an die malerische Anhöhe zwischen Ermatingen, Mannenbach und Salenstein erinnert. Im Gegensatz zur benachbarten Burg Salenstein, die eng mit dem Kloster Reichenau verflochten war, blieb Arenenberg ein "Konstanzer Anwesen": Ein prestigevolles Refugium für wohlhabende Patrizierfamilien aus Konstanz und dem Thurgau, die hier ihre Sommer verbrachten und die Region prägten.
Ein besonders kurioser Abschnitt in dieser Saga: Um das Jahr 1500 fiel das Gut für etwa 20 Jahre in den Besitz der Kartause Buxheim, der einst grössten Kartäuserabtei im Heiligen Römischen Reich. Die Mönche, bekannt für ihre strenge Askese, errichteten im Park ein kleines Kloster – dessen malerische Ruinen heute den "Eremitage"-Bereich inspirieren und zu einem der verstecktesten Highlights für Entdecker werden. Und hier kommt ein echtes Highlight für Geschichtsnerds: Die Kleriker installierten, eines der fortschrittlichsten Sanitär-Systeme ihrer Zeit – eine wasserbetriebene Latrinenanlage, die Abfälle elegant in den Untersee ableitete. Wissenschaftler staunen bis heute über diese Ingenieursleistung, die Jahrhunderte voraus war! Nach der Reformation wechselte das Schloss wieder in weltliche Hände und avancierte zum "Lustschloss" – einem gemütlichen Landsitz für Feste und Erholung, fernab der städtischen Hektik.
Im 18. Jahrhundert begann der Park seinen Aufstieg zum Juwel: Der Konstanzer Geometer Rimmele zeichnete detaillierte Pläne, die das Anwesen als harmonische Oase zeigen – umgeben von Reben, Wäldern und Obstbäumen. Diese landwirtschaftlich geprägte Idylle lädt heute zu Spaziergängen ein, bei denen Sie sich fühlen, als wären Sie in eine Zeitkapsel gestolpert.
Napoleons Schatten: Exil, Intrigen und Kaiserträume
Doch der wahre Glanz von Arenenberg entzündet sich erst im 19. Jahrhundert – mit der Ankunft einer der dramatischsten Figuren der europäischen Geschichte: Hortense de Beauharnais, Adoptivtochter (und Stieftochter) von Napoleon I. sowie Schwägerin des Kaisers. 1817, nach dem Sturz ihres Bruders, floh die Ex-Königin von Holland ins Exil und erwarb das Schloss für 30.000 Gulden. Hier fand sie Trost und Inspiration: Zwischen 1818 und 1820 ließ sie das spätgotische Gebäude vom Baumeister Johann Baptist Wehrle im eleganten Empire-Stil umbauen – mit Zinnen, die fielen, und einem Inneren, das von napoleonischen Reliquien nur so strotzte. Tapeten, Möbel und Porträts aus Paris verwandelten es in ein Stück Frankreich am Bodensee.
Besonders berührend: Hier wuchs ihr Sohn Louis Napoléon auf, der spätere Kaiser Napoleon III. Von 1818 bis 1836 verbrachte der Junge seine Jugend auf Arenenberg – lernte fließend Deutsch und Schweizerdeutsch, ritt durch die Hügel, fechtete im Park und träumte von Ruhm. Stellen Sie sich vor: Der zukünftige Herrscher Europas plants hier seinen ersten (missglückten) Putsch 1836 in Straßburg! Berühmte Gäste wie Alexandre Dumas oder François-René de Chateaubriand machten den Ort zur intellektuellen Oase. Nach Hortenses Tod 1837 verkaufte Louis das Gut, doch 1855 – als Kaiser – kaufte er es zurück und renovierte es prunkvoll. Seine Frau, Kaiserin Eugénie, besuchte es oft und schenkte es 1906 dankbar dem Kanton Thurgau, der daraus das einzigartige Napoleonmuseum schuf.
Der Park: Ein Grünes Meisterwerk zum Entdecken
Der 12 Hektar große Schlosspark ist das Herzstück für Naturfreunde – ein englischer Landschaftsgarten, den Hortense ab 1818 anlegte und der 1834 vom berühmten Gartentheoretiker Hermann von Pückler-Muskau verfeinerte. Schlendern Sie den Rundweg entlang, vorbei an einer malerischen Einsiedelei (der Eremitage), einem Aussichtspavillon mit verspielten Satyren und atemberaubenden Blicken auf den See. 2008 wurde der Park zum 200. Geburtstag von Napoleon III. liebevoll restauriert und gilt als Kulturdenkmal von europäischem Rang. Tipp für Touristen: Packen Sie ein Fernglas ein und beobachten Sie die Schiffe auf dem Bodensee – oder picknicken Sie unter den Obstbäumen, wo einst Mönche und Kaiser spazierten.
Heute: Ihr Portal in die Vergangenheit
Seit 1906 beherbergt Arenenberg das Napoleonmuseum Thurgau – das einzige deutschsprachige Museum zur napoleonischen Ära. Erkunden Sie Exponate, die Sie wie ein Gast von Hortense fühlen lassen: Von Uniformen bis zu Briefen, alles inmitten eines Bildungs- und Kulturzentrums. Ob geführte Touren, Seminare oder einfach ein Sonnenuntergang am Ufer – Arenenberg verbindet Abenteuer mit Erholung.
Kommen Sie vorbei und tauchen Sie ein in diese napoleonische Welt! Das Schloss ist ganzjährig geöffnet, und mit dem Rad- oder Wanderweg vom Bodensee-Ufer aus erreichen Sie es in Minuten. Ein Muss für jeden Bodensee-Liebhaber – versprechen wir, Sie wollen nicht mehr weg!
Information: Arenenberg
Besuchen Sie das Napoleonmuseum im Schloss Arenenberg.
Öffnungszeiten:
April bis September
Täglich: 10:00 bis 17:00 Uhr, letzter Einlass: 16:00 Uhr
Oktober bis März
Dienstag bis Sonntag: 10:00 bis 17:00 Uhr, letzter Einlass: 16:00 Uhr
Montag: Ruhetag
Geschlossen: 22. Dezember 2025 bis 6. Februar 2026
Pro erwachsene Person CHF 15.00
Kinder und Jugendliche (6 -16 Jahre) CHF 5.00
Kinder unter 6 Jahren kostenlos
Familien (2 Erwachsene und 2 Kinder) CHF 32.00
Jahreskarte CHF 35.00
Schweizer Museumspass, Raiffeisen Karte (Member Plus) kostenlos
Sonderführungen siehe www.napoleonmuseum.ch oder auf Anfrage
Alle Preise auch in Euro an der Kasse.
Das Museum ist nur bedingt für Rollstuhlfahrer begehbar.
